Schiedsrichter

Liebe Fußballfreunde,

 

das Verhältnis von Schiedsrichtern zu Spielern, Trainern und Zuschauern ist von Wochenende zu Wochenende sehr unterschiedlich. Ein Grund für viele Diskussionen auf dem Fußballplatz in den Kreisklassen ist unter anderem der unterschiedliche Kenntnisstand über die Regeln bei ALLEN Beteiligten.
Da hat so mancher Spieler noch nichts von einer schnellen Freistoßausführung gehört, der Trainer weiß noch nicht, dass neuerdings bis zur Kreisliga A rückgewechselt werden darf und so mancher Schiedsrichter pfeift noch nach dem Regelstand von 1974, zum Zeitpunkt seiner Schiedsrichterprüfung.

Daher nun ein paar Regelfragen, mit denen sich die Schiedsrichter der SRG Tübingen aktuell auseinandersetzen und die sicher für den ein oder anderen Aufreger auf den Sportplätzen der Region sorgen werden:

 

1)      Der TW hat den Ball nach einer Flanke sicher gefangen. Er tippt ihn zweimal auf den Boden auf, um ihn dann anschließend in die Luft zu werfen und mit dem Fuß abzuschlagen. Ein Gegenspieler spitzelt den Ball weg – ohne den Torhüter zu berühren – und schießt den Ball ins Tor. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?

2)      Ein Verteidiger spielt den Ball unbedrängt mit dem Fuß seinem kurz vor der Torlinie stehenden TW zu. Dieser kann ein Tor nur dadurch verhindern, dass er den Ball mit der Hand aufhält. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?

3)      Indirekter Freistoß für die angreifende Mannschaft auf der Torraumlinie. Die Abwehrspieler befinden sich auf der Torlinie zwischen den Torpfosten. Der TW stellt sich vor die Abwehrspieler. Ein Abwehrspieler steht auch auf der Torlinie, allerdings direkt am Pfosten außerhalb des Tores. Wie muss der Schiedsrichter reagieren?

Zum Abschluss eine Situation, die vor kurzem bei einem Spiel unserer 2. Mannschaft für Diskussionen gesorgt hat:

4)      Beide Mannschaften stehen zum Anstoß bereit. Die gegnerische Mannschaft wird anspielen  und unsere Mannschaft wartet, bis der gegnerische Stürmer den Ball gespielt hat um dann selbst ins Spiel eingreifen zu dürfen. Ein gegnerischer Spieler nimmt ein paar Schritte Anlauf und schießt den Ball direkt aufs Tor, über den überraschten TW hinweg, zum Glück aber auch einige Zentimeter über das Tor. Es herrschte allgemeine Uneinigkeit, ob das Tor gezählt hätte. Was meinen Sie?

Wir sind daher besonders stolz, dass wir beim SV 03 Tübingen neben den 2 aktiven Mannschaften und zahlreichen Jugendmannschaften aktuell auch  15 (!!!) Schiedsrichter im Verein haben. Eine Zahl, nach der sich viele andere Vereine die Finger lecken!

Besonders hervorheben möchte ich hierbei Christoph Krämer, der neben seiner Rolle als rechter Außenverteidiger der 2. Aktiven Mannschaft und dem Trainerposten für unsere D-Junioren im Rahmen seiner Trainerlizenz nun auch erfolgreich die Schiedsrichterausbildung absolviert hat und ab sofort Jugendspiele für den SV leiten wird. Gut Pfiff Christoph!!

Nun wünsche ich allen Sportlern (dazu zähle ich auch uns Schiedsrichter!!!) des SV 03 Tübingen einen guten Jahresausklang und eine erfolgreiche Saison 2017/2018.

Mit sportlichem Gruß
Jan Karolus
Schiedsrichterbeauftragter

 

Antworten:

1)      Indirekter Freistoß für den TW. Eine clevere Aktion die man ab und zu noch auf Sport1 in den

Bundesligaklassikern der 90er sieht, die mittlerweile aber nicht mehr erlaubt ist.

2)      Indirekter Freistoß auf der Torraumlinie. Keine persönliche Strafe.

3)      Bei einem indirekten Freistoß auf der Torraumlinie für die angreifende Mannschaft müssen alle Verteidiger wie bei jedem Freistoß 9,15m Abstand halten oder auf der Torlinie zwischen den beiden Torpfosten stehen. Der TW darf also nicht vor seinen Verteidigern stehen, sondern muss auch auf die Torlinie und der Verteidiger am Pfosten darf dort nur stehen bleiben, wenn er 9,15 m vom Ball entfernt ist. Ansonsten muss auch er auf die andere Seite des Pfostens.

Das Tor hätte gezählt, einzige Einschränkung beim Anstoß ist, dass der Ball nach vorne gespielt werden muss, was hier getan wurde. Aus einem Anstoß darf also direkt ein Torerzielt werden! (Aktuelle Ausgabe des Regelwerkes, S. 64)